Helikoptergeld gegen den Virus

Was ist Helikoptergeld?

Die Wirtschaft muss angekurbelt werden und in den Nachrichten spricht man von Helikoptergeld. 

Diese Idee stammt von Milton Friedman (1912 – 2006) und beschreibt genau das, was der Name aussagt: Geld wird aus dem Nichts erschaffen und von einem Helikopter aus an die Bürger hinunter geworfen. Dies ist natürlich nur eine bildliche Darstellung, denn es würde heutzutage über Verrechnungsschecks oder dem direkten Überweisen auf das Konto gehen. Warum spricht man aktuell über dieses Szenario? Die Notenbanken haben den Leitzins vielerorts auf null gesenkt, denn der Coronavirus hat die Weltwirtschaft nahezu still gelegt und zwingt sie zu diesem drastischen Schritt. Hierdurch sollte theoretisch die weltweite Geldmenge erhöht und zum Konsum angeregt werden. Doch diese Maßnahmen der Federal Reserve (FED: Amerikanische Notenbank), Bank of England (BoE: Britische Notenbank) verpufften in wenigen Minuten. Die EZB hat ihr Pulver ja bereits vor mehreren Jahren verschossen, als sie den Leitzins nahe null gesenkt hatte, um somit Staaten wie Griechenland und Italien zu helfen. Damit war das gesamte Pulver verschossen und es hat das Ziel weit verfehlt. Die Milliardenschweren Kreditprogramme der Staaten haben ebenfalls kaum Wirkung gezeigt. Daher kommt jetzt als letztes Mittel, als Ultima Ratio, das Helikoptergeld ins Spiel.

Was wird damit erreicht?

Ziel dieser Maßnahme soll ebenfalls die Ankurbelung der Wirtschaft sein. Aufgrund des Coronavirus ist diese nicht mehr voll funktionsfähig und mithilfe des verteilten Geldes, sollen die Bürger zum nächsten Geschäft gehen und das Geld wieder ausgeben bzw. verkonsumieren.

Doch diese Geldverteilung führt nicht unbedingt dazu, dass jeder Bürger sofort los läuft und sich einen neuen Fernseher, Kleidung oder Handy kauft. Denn diese Notlösung des Helikoptergeldes wird meistens erst in Erwägung, wenn es der Wirtschaft richtig schlecht geht. Ohne irgendeine schwerwiegende Ursache, müsste der Staat schließlich nicht das Verteilen von Geld in Erwägung ziehen. Aus diesem Grund werden viele Bürger das Geld beiseite legen, denn sie wissen, dass schwierige Zeiten auf sie zukommen. Vielleicht haben sie sogar bereits ihren Arbeitsplatz verloren und wissen sowieso nicht, wie sie über die Runden kommen sollen. Das Geld wird also gespart, anstatt verkonsumiert und verfehlt somit den Zweck. Ein weiteres Risiko dieser Maßnahme, ist die Gewöhnung des Staates oder der Bürger. Kommt eine neue Krise auf, verschenkt der Staat sofort wieder Geld in Form des Helikoptergeldes, obwohl dieses Mittel das letzte Mittel darstellen sollte. Demgegenüber könnten sich die Bürger ebenfalls an das geschenkte Geld gewöhnen. Geht es vielen Menschen konjunkturbedingt schlecht, so werden die Schreie nach neuem Helikoptergeld größer. Dieses mal auch keine 1.000€, sondern 2.000€. Das Geld wurde ja schließlich schon einmal aus dem Nichts erschaffen, wieso dann nicht gleich doppelt so viel aus dem Nichts erschaffen.

Blickt man etwas genauer auf das Helikoptergeld, so erkennt man, dass es bereits öfter zum Verschenken von Geld in Deutschland gekommen ist. Nur hieß es nicht Helikoptergeld und wurde nicht jedem Bürger zugänglich gemacht. Du kannst Dich sicherlich noch an den Begriff „Abwrackprämie“ im Jahr 2008 erinnern? Oder die aktuellen Elektromobilitäts-Förderungen? Jeder mit einem Altauto bzw. dem Wunsch, sich ein E-Auto zuzulegen, wird finanziell unterstützt bzw. kriegt zweckgebunden Geld geschenkt.

Finanzdenken Helikoptergeld

Welche Folgen hat das Helikoptergeld?

Es gibt eine schwerwiegende Folge: Inflation.

Die Notenbanken erhöhen die Geldmenge und es ist mehr Kapital im Umlauf. Kurzfristig könnte es vorübergehende Zahlungsunfähigkeiten und Insolvenzen vermeiden, mittel- und langfristig gibt es jedoch das Problem der Inflation oder gar Hyperinflation. 

Wenn die Geldmenge bei gleichbleibender Wirtschaftsleistung/Produktivität (Bruttoinlandsprodukt (BIP)) einer Volkswirtschaft erhöht wird, so entsteht eine Inflation. Zur Verdeutlichung: Im Normalfall gleichen sich das Angebot und die sich im Umlauf befindliche Geldmenge aus. Beispiel: Es gibt 10 Güter zu verkaufen und 10 Geldeinheiten in einer Volkswirtschaft, sodass 1 Gut durchschnittlich 1 Geldeinheit wert ist. Verdoppelt man nun die Geldeinheiten auf 20 Geldeinheiten bei gleichbleibender Anzahl an Gütern (BIP), so ist 1 Gut auf einmal 2 Geldeinheiten wert. Das Geld wird weniger wert bzw. das Gut wird teurer. 

Wenn nun Milliarden von Euro in Deutschland an die Bevölkerung in Form von Helikoptergeld, Hilfskrediten oder Förderungen verteilt werden, so wird diese Maßnahme von jedem Bürger getragen. Denn wenn sich die Geldmenge in Deutschland durch all diese Maßnahmen um beispielsweise 10% erhöht, so bedeuten diese 10% (bei gleichbleibendem BIP) auch 10% mehr Inflation. D.h. steigende Preise und sinkende Reallöhne, denn das Geld wird weniger wert sein.

Diese Annahme beschreibt ein Szenario mit gleichbleibendem BIP. Doch schaut man sich die aktuelle Wirtschaft in Deutschland an, so kann man sich denken, dass die Wirtschaftsleistung deutlich sinken wird. Die Inflation wird demnach voraussichtlich noch stärker ausfallen. Böse Zungen sprechen in diesem Zuge auch über eine bevorstehende Hyperinflation. Hyperinflation ist eine unkontrollierbare Inflation und man definiert diese mit einer monatlichen Inflation von ungefähr 50%. Darüberhinaus ist dies eine Hiobsbotschaft für all diejenigen, die es geschafft haben, sich ein gewisses Kapital aufzubauen oder zurückzulegen. Es ist eine schleichende Enteignung.

Wie kann man sich schützen?

Am wichtigsten ist es, seine Haupteinkommensquelle zu behalten. Das bedeutet, dass man alles dafür tun muss, um seinen Arbeitsplatz und somit sein Einkommen zu sichern. In zweiter Instanz ist eine Notreserve wichtig, denn diese hilft einem in genau solchen Notsituationen.

Ist das Einkommen gesichert und/oder die Notreserve gut gefüllt, kann man entspannter in diese schwierigen Zeiten blicken. Es geht nun darum, sein Geld vor der Inflation zu schützen und dies geht über den Erwerb von Sachwerten. Nicht umsonst steigt der Goldpreis in Krisenzeiten an, denn die Leute kaufen massiv Sachwerte und erhoffen sich hierdurch keine Geldentwertung. Sachwerte sind aber auch Immobilien, Wertpapiere und/oder das eigene Unternehmen.

Doch auch hierbei kann es starke Verwerfungen geben. Der Goldpreis unterliegt in dieser Krise auch relativ starken Schwankungen. Ebenso der Bitcoin, welcher als Goldalternative dienen sollte. Schaut man auf die Immobilien, so können ggf. Mieten nicht gezahlt werden und die Miete muss gekürzt oder gar gestrichen werden. In den Nachrichten kommen schon die ersten Meldungen, dass sogar Adidas angekündigt hat, im April keine Miete zahlen zu wollen (siehe hier).

Geht der Blick in Richtung Wertpapiere, so werden auch die meisten Unternehmen aufgrund des Wirtschaftsabschwungs nicht oder nur kaum wachsen. Bei einer schrumpfenden Wirtschaft steigen die Aktienkurse also nicht. Der clevere Investor weiß jedoch, dass gesunde Unternehmen gestärkt aus einer Krise hervorgehen und die Kurse sehr wahrscheinlich wieder steigen werden. Rational gedacht, sollte man also in einer Krise in günstiger bewertete Unternehmen oder ETFs investieren. Dieses Vorgehen habe ich bereits in einem früheren Beitrag geschildert: Wie verhalte ich mich in einem Bärenmarkt?

Inflation/Deflation?

In diesem Kontext noch ein Exkurs zur Deflation: Deflation ist das Gegenstück der Inflation und bedeutet, dass unser Geld an Wert gewinnt und die Preise von Gütern sinken. Die Deflation tritt also ein, wenn die Gütermenge schneller wächst als die Geldmenge. Die Menschen haben wenig Geld und können daher keine hohen Preise bezahlen. Weil die Unternehmen ihre Güter dennoch loswerden wollen, sinken deren Preise. Klingt erstmal super, allerdings hat das ganze auch eine Kehrseite. Die Menschen konsumieren weniger, weil sie darauf hoffen, dass die Preise immer weiter fallen. Die Unternehmen können daraufhin nicht mehr alle Güter verkaufen und müssen Kosten einsparen, d.h. Mitarbeiter werden entlassen. Angebot ist da, aber keine Nachfrage.

Aktuell haben Reisebüros, Restaurants, Frisöre, etc. zu und es finden keine Veranstaltungen, Konzerte oder Festivals mehr statt. Die Leute können aufgrund des Virus nicht konsumieren. Allerdings ist dieses Angebot auch nicht real existent, denn Restaurants und Frisöre sind geschlossen und Veranstaltungen sind ebenfalls untersagt. Je nachdem wie lange die Wirtschaft still steht bzw. welche Verbote zuerst gelockert werden, könnte ein deflationärer Schock (plötzlich und heftiger Eintritt der Deflation) entstehen.

Finanzdenken Inflation2

Glauben wir Dirk Müller und hören uns eines seiner aktuellen Interviews bzw. Podcast an (siehe hier), so befinden wir uns aktuell bereits in einem deflationärem Schock. Er erläutert dies so: Die Welt steht still und jeder muss Verkaufen, um an Cash zu kommen und damit seine Kredite, Verbindlichkeiten und Verpflichtungen bedienen zu können. Sachwerte wie Aktien, Anleihen, Gold und alles weitere, was schnell zu Geld gemacht werden kann, wird und wurde schnellstmöglich verkauft. Daher gab es auch diesen heftigen und schnellen Abverkauf an der Börse, bei dem die Kurse innerhalb kürzester Zeit um 30% sanken. Dies habe ich in meinem Beitrag „Update zu COVID-19“ ebenfalls beschrieben. Weil die Leute alle Sachwerte verkaufen, sinken deren Preise und das führt wiederum zu einem deflationären Schock führt.

2008 befanden wir uns ebenfalls in einem deflationären Schock, da auch hier jeder dringend Cash benötigte. Banken vergaben in der Krise keine Kredite mehr, weil sich keine Bank sicher sein konnte, wer sie morgen noch zurückzahlen konnte. Hierdurch entstand ebenfalls ein starker Abverkauf, denn man benötigte dringend Cash für seine Verbindlichkeiten. Herr Müller sagt jedoch deutlich, dass die Ursachen 2008 anders waren. Die Banken haben sich verzockt und sind in Schieflage geraten, wobei die Weltwirtschaft relativ normal weiterlief. Es mussten „nur“ die Banken gerettet werden, um die Ausweitung der Krise auf die Weltwirtschaft zu verhindern. Aktuell ist es umgekehrt. Die Weltwirtschaft ist aufgrund des Virus stillgelegt und daher in Schieflage. Diese Krise erwischt nun auch die Banken, denn diese werden von ausfallenden Krediten überrollt. Daher werden auch solche astronomischen Hilfspakete und Geldmengen zur Stabilisierung in den Markt geworfen. Es bleibt abzuwarten, ob dieses Geld helfen kann. Und vor allem wie stark die Inflation ausfällt, wenn Die Unternehmen wieder ihre Güter zum Verkauf anbieten können

Fazit

Dieser Artikel hat trotz der objektiven Schilderung einen negativen Beigeschmack. Es kann natürlich genauso gut sein, dass ein Impfstoff entwickelt und massentauglich hergestellt werden kann. Nach so einer Nachricht sollte die Wirtschaft wieder aufatmen können. Eventuell helfen ja auch die Geldgeschenke der Staaten und die wirtschaftlichen Folgen können gedämpft werden. Es bleibt abzuwarten. Aus der Sicht eines Investors, kann diese Krise auch als Chance gesehen werden. Viele gute Unternehmen haben schon 20% oder 30% nachgegeben und können jetzt so günstig gekauft werden, wie noch vor einigen Jahren. Ob es noch tiefer geht oder bald wieder steigen wird, weiß niemand.

Es bleibt spannend, ob die Notenbanken zu diesem Mittel des Helikoptergeldes greifen. Wenn ja, dann hilft es einigen Menschen weiter, denn viele sind durch den Coronavirus in Existenznot geraten. Es zeigt jedoch auch die Verzweiflung der Notenbanken. In Hongkong wurde diese Maßnahme bereits im Februar 2020 umgesetzt, denn dort schenkte die Regierung jedem Bürger umgerechnet knapp 1.200€. Siehe hier.

Meiner Meinung nach wird diese Krise einiges Verändern und der Schwerpunkt wird sich mehr in Richtung Online bewegen. Man muss sich nur mal die Schulen anschauen, Stichwort E-Learning. YouTube Tutorials, wie man sich selber die Haare schneidet, ein Home-Workout durchführt oder was einfaches Kochen kann, führen die Charts an. Reisebüros, Einzelhändler und viele weitere kleine Geschäfte werden die aktuelle Krise vermutlich nicht überstehen und die Leute suchen sich die entsprechenden Alternativen im Internet: Booking.com, Amazon, Google bzw. Alphabet (YouTube) oder Facebook (Instagram, WhatsApp) mit seinen sozialen Netzwerken werden von dieser Krise in meinen Augen profitieren.

Bleib gesund und mach das Beste draus. Hinterher ist man immer schlauer. Cheerio.