Finanzplanung

Notreserve

Finanzdenken Notreserve

~ Ein Ziel ohne Plan ist nur ein Wunsch

Versicherung gegen schlechte Zeiten

Der erste Schritt für eine erfolgreiche Finanzplanung ist die Bildung einer Notreserve. Sie ist Deine eiserne Reserve. Sie schützt Dich bei ungeplanten Ausgaben und bewahrt Dich davor, einen Kredit aufnehmen zu müssen. Sie lässt Dich ruhiger schlafen und im Notfall schneller reagieren. Betrachte die Notreserve wie eine Art Versicherung gegen schlechte Zeiten.

Kredite sind ein finanzieller Rückschlag und somit tabu

Ist diese nicht vorhanden, wirst Du gezwungen einen Kredit aufzunehmen, um eine finanzielle Schieflage auszugleichen. Das bedeutet im Umkehrschluss, dass Du von dem Kredit abhängig bist und ihn als erstes begleichen musst, um zur eigentlichen Finanzplanung zurückkehren zu können. Notsituationen können ein ungeplanter Umzug, das kaputte Auto, die defekte Waschmaschine oder der Verlust des Arbeitsplatzes sein. Bist Du selbstständig, kannst Du durch Krankheit oder einem Wirtschaftsabschwung enorme Umsatzeinbußen haben.

Die Höhe der Notreserve ist individuell

Je nach persönlichen Umstand macht es demnach Sinn, eine Notreserve in Höhe von drei bis vier Nettogehälter aufzubauen. Eine andere Betrachtung wäre jene Höhe der Notreserve zu wählen, mit welcher Du ungefähr sechs Monate ohne Einkommen auskommst. Innerhalb der sechs Monate sollte sich hoffentlich eine neue Arbeitsstelle gefunden haben. Diese Notreserve ist nur für Notfälle gedacht und sollte nicht benutzt werden, um Dir das neueste iPhone zu kaufen. Wie gesagt, die Höhe richtet sich nach Deinen persönlichen Umständen.

Sparen

Die Notwendigkeit des Sparens

Mithilfe der vorherigen Gegenüberstellung Deiner Einnahmen und Ausgaben, hast Du nun einen Überblick darüber, wofür Du Dein Geld jeden Monat ausgibst. Im Idealfall hast Du sogar schon erste Ergebnisse erzielt und Deine Einnahmen gesteigert und/oder Deine Ausgaben verringert. Deine Einnahmen sollten jedoch unbedingt Deine Ausgaben übersteigen, um monatlich Geld beiseite legen und sparen zu können.

Bewusster Konsumverzicht

Sparen bedeutet, dass Du bei Deinem Zusammenspiel aus Einnahmen und Ausgaben Prioritäten setzt. Du verzichtest bewusst darauf, Dein laufendes verfügbares Einkommen für Konsum auszugeben. Dies wurde bereits umgesetzt, indem Du Deine GuV optimiert hast und Dir nun im Idealfall mehr Geld am Monatsende zur Verfügung steht.

Faustformel: Mindestens 10% des Einkommens sparen

Als Faustformel sagt man, dass man mindestens 10% seines Einkommens sparen sollte, um Kapital aufzubauen. Umso höher die Sparquote, desto schneller erfolgt jedoch logischerweise auch der Kapitalaufbau. Du hast am Monatsende keine 10% Deines Einkommens mehr übrig?

Bezahle erst Dich selbst, dann alle Anderen

Am Monatsanfang erst alle Anderen (Versicherungen, Vermieter, Disney + usw.) bezahlen und dann hoffen, dass am Monatsende noch Geld zum Sparen übrig bleibt, ist der falsche Weg. Also bezahle Dich am Monatsanfang zuerst, bevor Du alle Anderen bezahlst. Das bedeutet, dass Du Dir einen monatlichen Dauerauftrag einrichten solltest, bei dem das Geld nach Gehaltseingang automatisiert auf ein anderes Konto geht. Anfangs dient es dem Aufbau Deiner Notreserve und anschließend Deinen Investitionen.

Finanzdenken Sparen

Exkurs: FIRE & Frugalismus

In USA gibt es die sogenannte FIRE-Bewegung (Financial Independence, Retire Early), welche finanzielle Unabhängigkeit und eine frühe Rente/Pension anstreben. Solche Protagonisten haben Sparquoten von teilweise über 70% und investieren das Geld überwiegend in den Aktienmarkt, sodass sie mit 30 oder 40 Jahren auch tatsächlich in Rente gehen können. In Deutschland nennt sich das Pendant „Frugalismus“. Das Konzept des Frugalismus ist eine Kombination aus einem bewussteren Leben, geschicktem Umgang mit Geld und mehr Lebensqualität. Über Frugalismus habe ich unter meinen Empfehlungen auch eine Buchidee für Dich.

Finanzplanung

Grundlage Deiner Finanzplanung

Ist die Notreserve aufgebaut, behalte mindestens Deine Sparquote bei. Denn nun kann das ersparte Geld für den Kapitalaufbau benutzt werden. Die Grundlage für den Kapitalaufbau bildet Deine persönliche Finanzplanung. Zu einer erfolgreichen Finanzplanung gehört die Beantwortung der Fragen zum Anlageziel, Anlagedauer, Anlageart und der Risikobereitschaft.

Anlageziel

Finanzdenken Anlageziel

Welche finanziellen Ziele möchtest Du erreichen?

Dein Anlageziel definiert Dein zu erreichendes Ziel, für welches Du Kapital aufbauen möchtest. Anhand der Grafik kannst Du beispielhafte Anlageziele sehen, für die man einen gewissen Kapitalstock benötigt. Eventuell hast Du Dich bei einem dieser Beispiele wieder erkannt? Dann hoffe ich, dass Du Dein Ziel oder Deine Ziele bis hierhin definiert hast.

Hauptziel sollte die private Altersvorsorge sein

Unabhängig von Deinen Zielen sollte jedoch die private Altersvorsorge im Fokus stehen. Das deutsche Rentensystem ist schließlich darauf aufgebaut, dass die Deutschen privat vorsorgen und sich nicht einzig und allein auf das öffentlich-rechtliche Pflichtsystem verlassen. Diese Fahrlässigkeit und das blinde Vertrauen führen leider oftmals zur Altersarmut.

Anlagedauer

Finanzdenken Anlagedauer

Welche Anlagedauer hast Du?

Deine Anlagedauer ergibt sich automatisch aus Deinem festgelegten Ziel. Soll Dein Ziel in wenigen Jahren erreicht werden (unter fünf Jahren), so steht der Kapitalerhalt an oberster Stelle. Dies kann beispielsweise der Erwerb eines neuen Autos, des Eigenheims oder auch der kurz bevorstehende Ruhestand sein. Soll Dein Ziel in mehr als fünf Jahren erreicht werden, steht Kapitalaufbau an oberster Stelle.

Kapitalaufbau nur mit einer Anlagedauer von mindestens fünf Jahren

Warum fünf Jahre? Weil es fast sieben Jahre gedauert hat, bis der Kurs des marktdominierendem S&P500 Kursindex nach den Crashs in den Jahren 2000 und 2007 wieder das Ausgangsniveau erreicht hat. Hätte man also in den Jahren 2000 oder 2007 am Höhepunkt investiert, hätte es in beiden Fällen „theoretisch“ sieben Jahre gedauert, bis man die ehemaligen Kurse wieder gesehen hätte.

Finanzdenken Sieben Jahre

In der Realität sieht dies jedoch etwas anders aus, denn der S&P500 ist ein Kursindex. Das bedeutet, dass im Gegensatz zum Performance Index keine Dividenden mit eingerechnet werden. Würde man die Dividenden mit einbeziehen, wären es deutlich weniger als sieben Jahre, sodass man hier von fünf Jahren ausgehen kann. Zudem empfiehlt sich ein Sparplan und keine große Einmalinvestition, um genau diesem Risiko des schlechten Timings zu entgehen. Dies habe ich in meinem Beitrag „Einmalinvestition oder Sparplan“ näher erläutert.

Aus diesem Grund ist eine langfristige Anlagedauer so wichtig

Stell Dir vor, Du würdest Dein Geld nur für zwei Jahre investieren wollen, weil Du dann das Geld benötigst. Im ersten Jahr steigen die Kurse und Du hast einen Buchgewinn zu verzeichnen. Doch im zweiten Jahr gibt es einen Wirtschaftsabschwung und die Kurse brechen um 40% ein. Dein Buchgewinn aus dem vorherigen Jahr wird nun zu einem Buchverlust von -32%. Da Du jetzt das Geld benötigst, realisierst Du den Verlust und Dein Kapital hat sich deutlich verringert. Hättest Du nun mindestens vier Jahre vorher Buchgewinne einfahren können, hätten diese den Abschwung ungefähr ausgleichen können. Umso länger Deine Anlagedauer, desto stabiler wird Deine Rendite.

Anlageart

Finanzdenken Anlageart

Sichere Anlagen für den kurzfristigen Kapitalerhalt

Das Anlageziel bestimmt die Anlagedauer. Die Anlagedauer gibt Auskunft über die Anlageart. Als Privatanleger hat man prinzipiell nicht viele Möglichkeiten, sein Geld mit einem guten Chance/Risiko-Profil anzulegen bzw. zu investieren.

Beträgt Deine Anlagedauer deutlich weniger als fünf Jahre, so empfiehlt es sich generell nicht, dass Geld zu investieren und ein Risiko einzugehen. Es sollte lieber in liquide und konservative Anlagearten wie Girokonto/Tagesgeldkonto/Festgeldkonto gesteckt werden.

Etwas mehr Risiko für den langfristigen Kapitalaufbau

Beträgt die Anlagedauer mehr als fünf Jahre, so zählen grundsätzlich die Investitionen in den Aktien- oder Immobilienmarkt zu den gängigsten Varianten, welche ein gutes Chance/Risiko-Verhältnis aufweisen. Der Sinn hinter dem Investieren liegt nämlich darin, dass wir unser Geld für weiteres Geld arbeiten lassen wollen. Stichwort Zins und Zinseszins.

Investition in Immobilien zur Vermietung oder Fix&Flip werden an dieser Stelle jedoch bewusst nicht weiter thematisiert, da die Einstiegsbarrieren (Startkapital und Wissen) viel höher als bei Investitionen in Aktien/ETFs sind. Zudem lohnt sich die Investition in Immobilien in der Regel erst ab einem Anlagehorizont von über zehn Jahren, denn ab zehn Jahren Haltedauer fallen keine (Spekulations-)Steuern beim Verkauf an. Daher wird fortlaufend das Investieren in Aktien und ETFs geschildert.

Risikobereitschaft

Finanzdenken Risikobereitschaft

Risiko geht mit Rendite einher

An dieser Stelle kommt ebenfalls die Risikobereitschaft ins Spiel. Aktien und ETFs unterliegen nämlich den üblichen Marktschwankungen und sind somit einem Risiko ausgesetzt. Das Risiko liegt hier unter anderem in der sogenannten Volatilität und bezeichnet das Steigen und Sinken der Aktienkurse. Durch das auf dieser Internetseite vermittelte Finanzdenken, wissen  jedoch alle Leser, dass man mit Aktien langfristig im Plus liegt. Das „risikolose“ Tagesgeldkonto wirft keine Zinsen mehr ab und wird aufgrund der Inflation sehr wohl zu einem zinslosen Risiko. Daher muss man heutzutage in meinen Augen ein gewisses Risiko eingehen.

Riskant ist es nur, wenn man keine Ahnung hat

Und das Risiko wird immer geringer, umso mehr man über eine Sache bescheid weiß. Elementar ist hierbei beispielsweise die Erkenntnis, dass man rational anstatt emotional handeln sollte. Wer zudem jedes Risiko ausschalten will, der zerstört auch alle Chance. Wenn Du allerdings bereit bist, neue Chancen zu ergreifen, dann zeige ich Dir im nächsten Kapitel wie das Investieren in Aktien und ETFs funktioniert.

Hier gelangst Du zum nächsten Kapitel: Das Investieren.