Optionshandel — Was ist eine Option? (Teil 1)

Der Handel mit Optionen ist etwas komplexer und wird daher als Beitragsserie veröffentlicht. Hierbei werden folgende Themen näher beschrieben:

Erster Kontakt

Wie bin ich zum Handel mit Optionen gekommen?

Da ich regelmäßig Wirtschafts- und Finanznachrichten lese und auch einige Finanz-Blogger verfolge, habe ich schon öfter von Optionen gelesen, aber diese nie weiter beachtet. Ich bin dahingehend sowieso etwas gebrandmarkt, da ich mit KO-Zertifikaten bereits Geld verbrannt habe und Optionen mit Optionsscheinen gleichgesetzt habe. Ein Irrglaube, wie ich nach kurzem googeln schnell bemerkte.

Kein einfacher Einstieg in Die Welt der Optionen

Doch als blutiger Anfänger in diesem Gebiet, wurde ich anhand der Google-Suchergebnisse schnell frustriert. Es wurde mit Fachbegriffen um sich geworfen und das hierzu benötigte Programm, die Trading Work Station (TWS), sah auf den ersten Blick absolut nutzerunfreundlich aus. Durch die paar Infos die ich gesammelt hatte, wurde ich jedoch immer neugieriger und anstatt da Thema abzuhaken, wollte ich es von Grund auf verstehen.

Grundkenntnisse mithilfe dieses Buches

Also benötigte ich ein Buch und stieß schnell auf „Optionsstrategien für die Praxis“ von Jens Rabe. Den Autor kannte ich bereits durch seine YouTube-Videos und ich wusste daher, dass sein Wissen fundiert ist und er es auch gut rüber bringen kann. Diese 34,90€ sind nicht gerade günstig, allerdings haben sie sich allemal gelohnt. Er beschreibt in dem Buch sehr umfassend, was Optionen eigentlich sind, welche Strategien es gibt und wie er mit Optionen Geld verdient. Einige Informationen sind nice to know und aus dem Lehrbuch, andere wiederum aus der Praxis und daher das Geld wert. Nach diesem Buch, hatte ich zumindest grundlegend verstanden was Optionen sind und wie sich hiermit Geld verdienen lässt. Zudem wurde mir relativ schnell klar, dass sich der Optionshandel wunderbar mit der Dividendenstrategie kombinieren lässt. Hierzu später mehr.

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Die Option

Finanzdenken Verkäufer

Was ist denn nun eine Option?

Eine Option ist im Sinne des Börsenhandels eine Versicherung. Diese Versicherung kann genutzt werden, um sich gegen steigende oder fallende Preise abzusichern. Für dieses Handelsgeschäft werden also auch ein Verkäufer und ein Käufer benötigt. Der Verkäufer (Versicherer) verkauft eine Option (Versicherung) und der Käufer (Versicherungsnehmer) erwirbt diese gegen Zahlung einer Gebühr bzw. Prämie, um sich abzusichern.

Optionen für allerlei Handelsinstrumente

Optionen kann man auf verschiedene Basiswerte (auch Underlying genannt) kaufen oder verkaufen. Es gibt beispielsweise Optionen auf Gold, Öl, Kakao, Mastrinder (ja, Mastrinder oder auch Lebendvieh), Staatsanleihen, Währungen und so weiter. Ich kenne mich nur mit Aktien aus und verkaufe daher auch nur Aktienoptionen. Fertig.

1 Kontrakt = 100 Aktien

Wichtig ist noch die Information, dass man bei Aktienoptionen mindestens immer 1 Kontrakt handeln muss und 1 Kontrakt bei den meisten Aktien in $/€-Währung aus 100 Aktien besteht. Eine Ausnahme stellen beispielsweise Aktienoptionen aus Großbritannien dar, denn dort besteht 1 Kontrakt aus 1.000 Aktien. Verkaufe ich also eine Option auf Coca-Cola, müsste ich theoretisch Kapital für 100 Aktien (ca. 4.500USD) haben. Es empfiehlt sich daher erstmal Erfahrungen an der Börse zu sammeln und sobald ein gewisser Kapitalstock zur Verfügung steht (ca. 3.000€), kann man in Richtung Aktienoptionen schauen.

Optionsarten

Folgende Grafik veranschaulicht die Optionsarten:

Finanzdenken Optionsmöglichkeiten

Käufer oder Verkäufer?

Welche Position ist besser?

Wie Du anhand der Grafik erkennen kannst, wird beim Optionshandel grundsätzlich zwischen Call- und Put-Optionen unterschieden. Damit ist es möglich, die Rolle des Käufers oder auch des Verkäufers einzunehmen.

Definition Optionskäufer

Der Käufer einer Option zahlt an den Verkäufer eine Prämie und erhält dafür das Recht, den Basiswert (jeweilige Aktie), bis zu oder an einem bestimmten Zeitpunkt zu einem festgelegten Preis zu kaufen (Kaufoption, Long Call) oder zu verkaufen (Verkaufsoption, Long Put).

Definition Optionsverkäufer

Der Verkäufer einer Option erhält vom Käufer eine Prämie und verpflichtet sich dafür, den Basiswert (jeweilige Aktie), bis zu oder an einem bestimmten Zeitpunkt zu einem festgelegten Preis zu kaufen (Verkaufsoption, Short Put) oder zu verkaufen (Kaufoption, Short Call).

Diese Definitionen klingen erstmal komplizierter als sie in Wirklichkeit sind. Mithilfe der nächsten zwei Kapitel dieser Beitragsserie zeige ich praktische Beispiele, um die Begrifflichkeiten besser einordnen zu können. Schaust Du Dir noch mal die obige Grafik an, wirst Du erkennen, dass die nächsten Kapitel also von der Verkäuferseite handeln.

Verkäufer!

Die Vorteile eines Verkäufers überwiegen

Als Optionsverkäufer hat man nämlich einige Vorteile auf seiner Seite. Versicherungen überleben schließlich, weil ein Schadensfall und damit die Zahlung an den Versicherungsnehmer statistisch gesehen seltener eintritt als sie mit den Beiträgen der Versicherungsnehmer erwirtschaften. Der Verkauf von Versicherungen gegen Zahlung scheint also lukrativ zu sein.

70-80% aller verkauften Optionen verfallen wertlos

Als Verkäufer von Optionen erhalten wir ebenfalls Prämien und statistisch gesehen werden 70-80% aller Optionen nicht ausgeübt bzw. verfallen diese wertlos (Jens Rabe). Denn jede Option hat ein von vornherein bestimmten Verfallszeitpunkt und die Zeit arbeitet als Optionsverkäufer daher für uns.

Stillhaltergeschäfte

Schaut man sich die Optionen etwas genauer an, so gibt es in der Regel nur zwei Möglichkeiten: Ich kaufe oder ich verkaufe eine Option für einen bestimmten Zeitraum. Hieraus ergeben sich wiederum eine Vielzahl an Strategien. Ich bin ein Freund davon, alles möglichst einfach zu halten. So verstehe ich ganz genau, was ich eigentlich mache und kann es anderen ebenfalls auf einfache Art und Weise erklären. Also so, wie ich es mit diesem Beitrag erreichen möchte. Eine simple Strategie, welche sich gut mit der Dividendenstrategie kombinieren lässt, sind die sogenannten Stillhaltergeschäfte. Stillhalter bedeutet in diesem Zusammenhang, dass man Optionen verkauft und in der Regel bis zum Ende der Optionslaufzeit die Füße stillhält.

Drei wichtige Vorteile für den Verkäufer

Als Stillhalter nimmt man also die Position des Verkäufers ein und hat hierdurch in meinen Augen drei Vorteile gegenüber dem Käufer, denn:

  1. ca. 70-80% aller Optionsgeschäfte verfallen wertlos. Das bedeutet, dass die Wahrscheinlichkeit auf unserer Seite liegt.
  2. als Verkäufer erhält man eine Optionsprämie. Jeder Optionskäufer kauft logischerweise eine Option und muss hierfür einen Preis zahlen, welcher Prämie genannt wird. Diese muss der Käufer immer bezahlen, egal ob er „gewinnt oder verliert“. Je nach Risikofreudigkeit des Optionsverkäufers, fällt die Prämie höher oder niedriger aus.
  3. als Stillhalter muss man nicht wissen wohin der Markt sich als nächstes bewegt, sondern nur, wo er sich in einer festgelegten Zeit nicht mehr hinbewegt.

Optionsscheine?

Finanzdenken Optionsschein

Optionsscheine oder Optionen?

Du weißt also nun was eine Option ist, welche Arten es gibt und das es mehr Vorteile hat, als Optionsverkäufer zu agieren. Allerdings möchte ich zum Schluss dieses Beitrages noch erläutern, worin der Unterschied zwischen Optionsscheinen und Optionen liegt. Dies war schließlich am Anfang mein größtes Hindernis, mich näher mit diesem Thema zu beschäftigen und vielleicht geht es Dir ja genauso.

Was ist ein Optionsschein

Optionsscheine werden von den Banken und Brokern gerne beworben, da sie relativ einfach für kleines Geld erworben werden können und das Verlustrisiko von vornherein auf den eigenen Einsatz beschränkt ist. Ihre Funktionsweise ist der der Optionen sehr ähnlich, jedoch gibt es einen Unterschied: man kann nur als Käufer agieren. Und Verkäufer sind keine anderen Anleger, sondern der jeweilige Emittent. Emittent ist meistens eine Bank und daher handelt man als Kunde gegen die Bank.

Privatanleger können keine Verkäuferseite einnehmen

Allerdings kennt jeder den Spruch: Am Ende gewinnt immer die Bank. Alle drei zuvor genannten Vorteile des Stillhalters sind hier nämlich nicht mehr vorhanden und man agiert daher in meinen Augen eher als Spekulant oder Zocker. Zudem gibt es das Emittenten-Risiko. Seit 2008 wissen wir, dass auch Banken pleite gehen können und sollten wir von dieser Bank einen Optionsschein erworben haben, ist diese in der Regel wertlos. Also Finger weg von Optionsscheinen.

Ausblick

Der Short Put und die Margin

Das war der erste Teil meiner Beitragsserie zu Optionen. Ich hoffe, Du kannst nun mehr mit dem Begriff „Option“ anfangen und eventuell habe ich ja trotz dieses theoretischen Einstiegs Dein Interesse geweckt. Du weißt nun theoretisch was Stillhaltergeschäfte sind, aber Du weißt noch nicht, wie man man solche Stillhaltergeschäfte praktisch eingeht und wie diese funktionieren. Daher erfährst Du im nächsten Beitrag „Was ist ein Short Put“ alles rund um den sogenannten Short Put.