Optionshandel — Verhaltensregeln (Teil 4)

Der Handel mit Optionen ist etwas komplexer und wird daher als Beitragsserie veröffentlicht. Hierbei werden folgende Themen näher beschrieben:

Rückblick

Short Puts und Covered Calls

Du hast nun gelernt, was Optionen überhaupt sind und das man als Verkäufer von Optionen mehrere Vorteile gegenüber dem Käufer von Optionen hat. Zudem habe ich Dir meine Vorgehensweise geschildert, bei der ich zuerst Short Puts (Was ist ein Short Put) verkaufe und nach dessen Einbuchung Covered Calls (Was ist ein Short Call) verkaufe.

Margin

Das Ziel hierbei ist es, möglichst alle verkauften Optionen wertlos verfallen zu lassen und die Prämien hierfür zu behalten. Dies ist nun die vereinfachte Darstellung dieser Strategie. Denn es gilt hierbei einige Faktoren zu beachten, wie beispielsweise die Auslastung der Margin. Um nicht in die Gefahr eines Margin Calls zu kommen, sollte man für sich eine maximale Auslastung der Margin definieren. Bei mir liegt die maximale Auslastung der Margin beispielsweise bei 50%, wobei sich diese in der Realität meistens bei ca. 30%-40% befindet. Diese persönliche Maximalgrenze liegt an meiner persönlichen Risikobereitschaft.

Risiko

Risikobereitschaft

Bleiben wir beim Thema Risiko und der Margin. Sobald ein Anleger Aktien auf Margin gekauft hat, erfordern die New York Stock Exchange (NYSE) und die Financial Industry Regulatory Authority (FINRA), dass ein bestimmter Mindestkapitalbetrag kontinuierlich im Marginkonto des Anlegers vorgehalten wird.

Vorschriften von Interactive Brokers

So verlangen beispielsweise die Vorschriften von Interactive Brokers (IB), dass Anleger stets mindestens 25% des Gesamtmarktwerts der Wertpapierposition in Ihrem Marginkonto bereithalten. IB ist mit ihrem Broker/Dealer-Geschäft an mehr als 135 Märkten in der ganzen Welt tätig und mitunter einer der ersten Anlaufstellen, wenn es um den kostengünstigen und weltweiten Handel mit Optionen geht.

Zurück zum Risiko und der Margin:

Margin Call in Krisenzeiten

Als die Märkte im März 2020 stark nach unten gingen, konnte man von zahlreichen Optionshändlern lesen und hören, dass diese hierdurch in große finanzielle Probleme gerieten. Durch den jahrelangen Bullenmarkt wurde die Marginauslastung nach und nach erhöht und hierdurch viel mit Hebel gearbeitet. Der Virus kam unerwartet und plötzlich und genauso heftig waren die Kursverluste an den Märkten. Da sich die Margin stets neu berechnet und an die aktuellen Kurse anpasst, erhielten vermutlich viele Optionsverkäufer einen Margin Call.

Risikotoleranz?

Komischerweise wurden im März auch einige Blogs/Internetseiten offline geschaltet, auf denen zuvor regelmäßig die Einnahmen durch den Optionshandel veröffentlicht wurden. Autsch. Kurze Rede, langer Sinn: Es ist wichtig, sich seine eigene Risikotoleranz zu definieren und diese auch kontinuierlich in Bezug auf die Marginauslastung beizubehalten. Daher empfehle ich persönlich keine Marginauslastung von über 50%.

Volatilität

Finanzdenken Volatilität

Schwankung von Zeitreihen

In diesem Zuge spielt die Volatilität ebenfalls eine wichtige Rolle. Der Begriff Volatilität kommt aus der Statistik und beschreibt die Schwankungen von Zeitreihen. Das bedeutet, dass ein Aktienkurs der täglich um 10% nach oben und nach unten schwankt als sehr volatil zu bezeichnen ist. Eine hohe Volatilität bedeutet also Risiko, denn der Kursverlauf ist nur schwer einzuschätzen. Risiko geht bekanntlich mit Rendite einher, daher sind die Prämien in volatilen Zeiten höher als in ruhigeren Zeiten.

Optionshandel mit hohen Schwankungen

Beim Optionshandel wird allerdings nicht auf die historische Volatilität geschaut, sondern auf die implizierte Volatilität (IV) zurückgegriffen. Implizit bedeutet in diesem Fall, etwas mit einzubeziehen oder darin enthalten zu sein. Der aktuelle Preis der Option beinhaltet also eine gewisse Volatilität, welche durch die IV ausgedrückt wird. Und der Preis einer Option wird letztlich durch Angebot und Nachfrage bestimmt. Ist die IV also hoch, so erwarten die Händler hohe Schwankungen. Daher werden Optionen mit einer höheren IV auch mit höheren Prämien bezahlt. Dies war zum Beispiel im März 2020 der Fall, als die Kurse aufgrund von Covid-19 starke Schwankungen aufwiesen.

Earnings

Veröffentlichung von Zahlen vermeiden

Mit Earnings sind Hauptversammlungen bzw. die Veröffentlichung von Quartalsergebnissen gemeint. An diesen Tagen veröffentlicht das Unternehmen die Zahlen zu einem vergangenem Zeitraum und das kann immer zu Überraschungen führen. Wurden die Erwartungen der Anleger und der Analysten übertroffen, so wirkt sich das in der Regel positiv auf den Aktienkurs aus. Wurden die Erwartungen allerdings „nur“ erfüllt oder waren die Zahlen schlechter als erwartet, so sinkt in der Regel der Aktienkurs. Die Chance, dass sich der Kurs deutlich nach oben oder unten bewegt, ist also an den Tagen eines Earnings höher. Daher sollte man das Risiko kennen, wenn man eine Option verkauft, in dessen Laufzeit die Earnings fallen.

Chart

Charttechnik

Die Charttechnik ist neben der fundamentalen Technik eine Form der Aktienbewertung. Anstatt sich auf Kennzahlen des Unternehmens zu beziehen, wird auf den Aktienchart geschaut. Hierbei können Widerstände und Unterstützungen hilfreich sein, um den Strike einer Option zu wählen.

Unterstützungs- und Widerstandsmarken

Ist der Kurs der Aktie XY beispielsweise bereits drei Mal gesunken und an der Kursmarke von 30€ wieder nach oben abgeprallt, so bildet diese 30€-Marke eine wichtige Unterstützung. Es kann also beispielsweise ein Zeichen dafür sein, dass bei kurzfristigen Unterschreiten dieser Marke, sofort ein größerer Kauf eines (institutionellen) Anlegers stattfindet, welcher sich hier ein Limit gesetzt hat. Das bedeutet für den Verkauf von Optionen, dass eine gewisse Wahrscheinlichkeit existiert, dass der Kurs auch beim nächsten Mal wieder dort abprallen wird. Der Strike eines Short Puts sollte also unter der 30€-Marke gesetzt werden. Beim Widerstand ist der umgekehrte Effekt zu erkennen. Der Aktienkurs steigt und prallt mehrmals an der 40€ Kursmarke nach unten hin ab.

Finanzdenken Charttechnik

Trendkanal

Ein weiteres Augenmerk liegt auf dem Trendkanal. Hier sollte stets überprüft werden, ob der positive bzw. negative Trend noch intakt ist. Sofern ein Trend intakt ist und nicht durchbrochen wurde, so kann man vorerst davon ausgehen, dass der Trend beibehalten wird. „The trend is your friend“.

Währungen

Heimatwährung

Sobald ein Depot eröffnet wird, muss angegeben werden, in welcher Heimatwährung das Konto geführt werden soll. Für Deutsche bietet sich hier natürlich auch die Währung in Euro an. Dies hat ebenfalls den Vorteil bei der Steuererklärung, denn alle Kontoauszüge werden in Euro geführt und ersparen das Umrechnen. Sollten Aktienoptionen mit Euro-Währung gehandelt werden, ist der Kauf und Verkauf unproblematisch.

Ausländische Währungen

Sollen Aktienoptionen in den USA gekauft oder verkauft werden, werden diese in US-Dollar gehandelt. Wird demnach eine US-Option verkauft und man wird ausgeübt, so müssen diese 100 Aktien auch erworben werden und es fällt ein negativer US-Saldo an. Der eingezahlte Euro-Bestand bleibt unberührt. Aus diesem Grund ist es wichtig, regelmäßig seine Kontostände zu kontrollieren, denn für den negativen US-Saldo fallen Zinszahlungen an. In diesem Fall muss man den beliebigen Betrag manuell umtauschen, um die Fremdwährungsbestände auszugleichen. In der TWS erhält man in seiner Kontoübersicht seine Salden angezeigt. Mit einem Klick auf „Devisenpositionen schließen“ kann der benötigte Betrag von Euro in US-Dollar umgetauscht werden und der Handel wird hierfür vorbereitet. Weiß man im Vorfeld, dass man US-Dollar benötigt, kann man dementsprechend bereits vorher das Geld umtauschen und sich die Zinszahlungen ersparen. In diesem Fall muss man einen Währungsumtausch über den Punkt Forex anstoßen.

Euro und US-Dollar

Man sollte also bei dem Verkauf von Aktienoptionen darauf achten, in welcher Währung die jeweiligen Aktien gehandelt werden. Möchte man beispielsweise Aktienoptionen für japanische Aktien verkaufen, so erhält man auch die jeweilige Prämie in Yen (JPY). Aus diesem Grund konzentriere ich mich ausschließlich auf Optionen mit Euro und US-Dollar.

Rückkauf

Aktien zurückkaufen und schließen

Bei allen verkauften Aktienoptionen kann man sich den unrealisierten Gewinn & Verlust anzeigen lassen. Laufen die verkauften Aktienoptionen also so, wie wir uns das vorgestellt haben, dann steigt der unrealisierte Gewinn immer weiter an. Durch den jeweiligen Zeitwertverlust ist es also nicht unüblich, dass eine Option bereits bei der Hälfte der vereinbarten Laufzeit bei einem unrealisierten Gewinn von 70-80% angekommen ist.

An der Börse ist alles möglich, auch das Gegenteil

In diesem Fall kann man die restliche Laufzeit abwarten und die vollen 100% erhalten oder aber man schließt diese Aktienoption bzw. kauft diese vorher zurück. Man hat beispielsweise eine Prämie von 100€ erhalten und muss nun 20€ bezahlen, um diese bei 80% wieder zurückzukaufen. Dies kostet zwar noch mal Gebühren, allerdings hat man nun den unrealisierten Gewinn realisiert. Es können also keine bösen Überraschungen mehr kommen. Eine böse Überraschung wäre demnach, dass der Kurs kurzfristig gegen uns laufen könnte und sich der unrealisierte Gewinn wieder schlagartig verringert.

Mehr Optionen = Mehr Prämien

Der Vorteil liegt darin, dass man diesem Risiko durch vorzeitiges Zurückkaufen entgehen kann und das man nun bereits ab der Hälfte der Zeit die Möglichkeit hat, eine neue Option zu verkaufen und eine neue Prämie zu erhalten. Ich persönlich habe mir aus genau diesem Grund ein unrealisierten Gewinn von 70-80% als Grenze gesetzt, um Aktienoptionen zurückzukaufen.

Rollen

Finanzdenken Optionen rollen

Mehr Zeit erkaufen

Verläuft der Aktienkurs also positiv für unsere Option, so können wir diese zurückkaufen und durch den Verkauf einer neuen Option unverzüglich eine neue Prämie erhalten. Verläuft der Kurs allerdings nicht so, wie wir das wollten, so können wir diesen Verlust entweder akzeptieren oder aber die Option rollen. Das bedeutet, dass wir die Option wie zuvor erklärt zurückkaufen (und hierfür mehr zahlen müssen, als wir durch die Prämie eingenommen haben, da nun ein umrealisierter Verlust offen steht) und dann eine neue Option mit längerer Laufzeit für diese Aktie verkaufen. Hiermit erkaufen wir uns quasi mehr Zeit. Je nachdem, wie weit wir diese Option nun in die Zukunft rollen, erhalten wir ggf. eine höhere Prämie, welche unseren vorherigen Rückkauf wieder ausgleicht und wir letztlich mit einem Plus aus diesem Geschäft herausgehen.

Rollen beim Short Put

Für den Short Put wählen wir nun also einen weiter weg liegenden Verfallstag und/oder einen niedriger liegenden Strike.

Rollen beim Covered Call

Beim Covered Call dementsprechend einen weiter weg liegenden Verfallstag und/oder einen höher liegenden Strike.

Griechen

Delta, Gamma, Theta, Vega

Die sogenannten Griechen sind Kennzahlen beim Optionshandel. Viele Optionshändler schenken diesen Kennzahlen jedoch keine oder nur kaum Aufmerksamkeit. Sie geben Auskunft darüber, wie sich eine Option verändern kann. Ich persönlich achte lediglich auf das Delta als Kennzahl.

Delta

Das Delta ist die preisliche Geschwindigkeit, mit der sich eine Option bewegt. Es legt die Beziehung zwischen der Veränderung im Optionspreis und der Veränderung im Preis des Basiswertes fest und bewegt sich immer zwischen 0 und 1 (Call) oder -1 und 0 (Put). Wenn eine Option ein Delta von 0,2 hat, so wirkt sich eine Wertveränderung der Aktie von 1€ oder 1$, um genau diese 0,2 auf den Optionspreis aus. Das Delta gibt demnach die Korrelation an. Das Delta ist hierbei immer umso größer, je mehr sich eine Option im Geld befindet und umso kleiner, je weiter sie aus dem Geld liegt. Beispiel: Der aktuelle Kurs von Coca-Cola beträgt 40$ und eine Short Put Option mit dem Strike von 38$ hat ein deutlich höheres Delta (z.B. -0,7) als ein Strike von 30$ (z.B. -0,12). Pragmatisch kann man sagen, dass ein verkaufter Put mit einem Delta von 0,15 ungefähr eine aktuelle Wahrscheinlichkeit von 15% hat, am Ende der Laufzeit im Geld zu landen.

Gamma, Theta, Vega

Gamma: Gibt die Beschleunigung an, mit der sich die Geschwindigkeit einer Option verändern kann.

Theta: Zeigt den Einfluss des Zeitwertverfalls einer Option an.

Vega: Zeigt den Einfluss der impliziten Volatilität auf eine Option an.

Regelwerk

Meine persönlichen Verhaltensregeln

Wie Du siehst, gibt es einige Aspekte, die man beim Handel mit Optionen beachten sollte. Manche sind hiervon wichtiger als andere und jeder entwickelt sich hieraus seine eigene Strategie. Bei einigen Beschreibungen habe ich bereits zuvor erläutert, wie ich beim Handel mit Optionen vorgehe. Zusammenfassend kommen hier allerdings noch mal meine Verhaltensregeln:

  • Marginauslatung von in der Regel 30% bis 40%, maximal 50%
  • Keine Laufzeiten wählen, in denen Earnings stattfinden
  • Beim Verkauf von Short Puts auf das 52 Wochen Tief und Unterstützungsmarken achten
  • Beim Verkauf von Covered Calls auf das 52 Wochen Hoch und Widerstandsmarken achten
  • Nur Optionen in US-Dollar und Euro verkaufen
  • Bei 70-80% unrealisiertem Gewinn wird die Option zurückgekauft
  • Bei -200% unrealisiertem Gewinn wird die Option zurückgekauft und gerollt, sofern ich an die zuvor eingegangene Option glaube
  • Ein Delta bei Short Puts von ca. -0,1 bis -0,2 und bei Covered Calls ca. +0,1 bis + 0,2 und demnach weit aus dem Geld
  • Laufzeiten von in der Regel 30-60 Tagen, maximal 90 Tagen

Ausblick

Die Wahl des Brokers

Im nächsten Kapitel gehe ich auf die verschiedenen Broker, deren Eigenschaften und „die Wahl des Brokers“ ein. Denn deutsche Broker bieten entweder keinen Handel mit Optionen (sondern überwiegend nur Optionsscheinen) an oder aber die Gebühren hierfür sind viel zu hoch. Das bedeutet also, dass in der Regel ein neues Depot eröffnet werden muss.