Optionshandel — Praxis und Funktionsweise der TWS (Teil 6)

Der Handel mit Optionen ist etwas komplexer und wird daher als Beitragsserie veröffentlicht. Hierbei werden folgende Themen näher beschrieben:

Rückblick

Theorie, Verhaltensregeln und ein Broker mit vergünstigten Konditionen

Du kennst nun die Theorie und die entsprechenden Verhaltensregeln für den Optionshandel. Zudem hast Du im vorherigen Beitrag einiges über „die Wahl des Brokers“ gelesen. Wenn Du Dein Depot über meinen Link bei BANX eröffnest und den Gutscheincode „Finanzdenken“ benutzt, erhältst Du zusätzlich verbesserte Konditionen.

TWS

Die Handelsplattform: Trader Workstation (TWS)

Ob Interactive Brokers direkt oder ein von mir vorgestellter Reseller, alle arbeiten mit der TWS. Diese kann man auf der jeweiligen Internetseite des Brokers kostenfrei herunterladen und sich mit seinen Zugangsdaten anmelden. Es öffnet sich ein Fenster, welches ungefähr so aussieht:

Finanzdenken TWS 1

Startseite der TWS

Wie zuvor erwähnt, erschlägt und überfordert einen dieser erste Anblick in der Regel. Man lernt allerdings relativ schnell die ersten benötigten Funktionen und wie man mit diesen umzugehen hat. Insgesamt besteht das Fenster aus vier kleineren Fenstern:

  • Der Ordereingabe oben links
  • Dem jeweiligen Datenfenster in der Mitte links
  • Der Aktivitätenanzeige unten links und
  • Der Watchlist auf der rechten Seite.

Vieles kann konfiguriert und verändert werden

Alle Fenster können verändert oder verschoben werden. Sie können gelöscht und neue hinzugefügt werden. Allerdings bietet diese Standardkonfiguration alle notwendigen Fenster samt Daten und Informationen, welche wir für unsere Strategie benötigen.

Erstmal eine Wachtlist anlegen

Der erste Schritt ist nun das Anlegen Deiner persönlichen Watchlist. So haben wir alle relevanten und interessanten Aktien auf einen Blick vor uns, können die Kurse verfolgen oder uns weitere Informationen im Datenfenster anzeigen lassen. Dies geht in der TWS am einfachsten über das jeweilige Symbol der Aktie. Für Coca-Cola steht beispielsweise das einzigartige Kürzel KO. Wenn man KO in die leere Zeile der Wachtlist eingibt und mit Enter bestätigt, kann man anschließend die Aktie (Smart) auswählen und sie erscheint dauerhaft in der Watchlist.

Steht die Watchlist, können wir loslegen

Wir haben in den vorherigen Beiträgen immer beispielhaft die Coca-Cola Aktie ausgewählt, also machen wir das auch weiterhin. Auf der vorherigen Grafik habe ich in der Watchlist auf Coca-Cola geklickt und das Programm übernimmt sofort alle relevanten Daten ins Datenfenster. Dort kann nun der aktuelle Kurs, aktuelle Informationen zum Kurs sowie der Chart angesehen werden. Die TWS bietet hier zahlreiche Konfigurationsmöglichkeiten und auch Tools, um beispielsweise den Chart näher zu analysieren (Stichwort Charttechnik).

Optionskette

In der Praxis: Der Short Put

Die Coca-Cola Aktie ist ausgewählt und wir sehen in der Ordereingabe und im Datenfenster alle relevanten Informationen. Unser Ziel ist es einen Short Put auf Coca-Cola zu verkaufen. Hierfür benötigen wir eine Übersicht aller verfügbaren Optionen.

Optionskette

Schauen wir auf das Fenster der Ordereingabe, so sieht man oben rechts den Menüpunkt „Optionskette“. Klicken wir diesen an, öffnet sich in einem weiteren Fenster die jeweilige Optionskette der Aktie. Dies sieht dann so aus:

Finanzdenken TWS 2

Überblick verschaffen und Regeln einhalten

Anfangs macht es Sinn nach der jeweiligen Laufzeit zu gucken. Diese wird mittig oben angezeigt. Aktuell ist das Datum des 19. Juni 2020 ausgewählt, sprich eine Laufzeit von 18 Tagen. Aufgrund des rasanten Anstiegs im April und Mai, bin ich doch eher skeptisch und wähle Optionen mit kürzeren Laufzeiten. Die Gefahr eines weiteren ordentlichen Kursrückgangs ist in meinen Augen nicht ganz auszuschließen. Haben wir das Datum bzw. unsere Laufzeit festgelegt, werden hierunter nun alle möglichen Optionen aufgelistet, welche für den entsprechenden Zeitraum vorhanden sind. Für Short Puts sind alle Optionen auf der rechten Seite relevant.

Optionsauswahl

Delta, Mindestprämie und IV

Die Laufzeit ist gewählt und es liegen keine earnings an, die uns böse überraschen können. Unser Ziel ist es nun, den Strike möglichst weit aus dem Geld (OTM) zu wählen, sodass die Option im Idealfall wertlos verfällt. Hierfür nehme ich mir das Delta zur Hilfe. Das Delta wurde bereits besprochen und gibt vereinfacht gesagt an, wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, ob diese Option am Ende der Laufzeit im Geld (ITM) landet. Hier orientiere ich mich in der Regel an einem Delta von ca. -0,1. Zudem möchte ich bei jeder verkauften Option mindestens 10€ oder 10$ an Prämie inkl. der Gebühren erhalten. Zuletzt achte ich noch auf die Höhe der IV, denn sie gibt uns schnell Auskunft darüber, wie hoch die Prämien ausfallen. In unserem Fall liegt diese bei 25% und ist daher leider nicht sehr hoch, was sich in den mageren Prämien widerspiegelt.

Wer suchet, der findet

Bei einem Delta von -0,09 haben wir einen Basispreis von 42,5$. Die Differenz zum aktuellen Kurs (47,05$) beträgt nur 10%, das ist jedoch bei einem so schwankungsarmen Wert wie Coca-Cola ausreichend. Schauen wir auf den Geld- und Briefkurs, so liegen diese bei 0.18 bzw. 0.19. Hier sehen wir einen sehr kleinen und planbaren Spread, sodass wir von einer Mindestprämie von 18$ ausgehen können. Insofern sind alle wichtigen Kriterien erfüllt und wir können diese Option verkaufen. Hierfür klicken wir mit der rechten Maustaste auf die ausgewählte Zeile und dann auf „verkaufen“.

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Ordereingabe

Ordereingabe korrekt?

Sobald wir auf „Verkaufen“ geklickt haben, gelangen wir automatisch zum Startfenster der TWS. In dem Fenster der Ordereingabe haben sich nun alle Daten auf unseren Short Put geändert und die Ordereingabe wurde automatisch vorbereitet. Zudem hat sich das Fenster rot gefärbt. Rot steht immer für Verkauf und blau steht für Kauf. In der TWS sieht es nun so aus:

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Daten überprüfen und Limit festlegen

Wir sehen nun oben links im Fenster unsere Option „KO Jun19´20 42.5 PUT“. Zudem ist die Menge (MNG) unserer zu verkaufenden Kontrakte auf 1 voreingestellt. LMT steht für Limit und bedeutet, dass wir die Order erst ausführen möchten, wenn ein gewisser Wert erreicht wird. Optionen sollten nie billig/bestens, also unverzüglich, ausgeführt werden. Sollte der Spread nämlich sehr groß sein, wird sofort zum bestmöglichen Geldkurs ausgeführt und wir verschenken Prämie. Weitere Infos hierzu in meinem Beitrag: „Wie kaufe ich eine Aktie?„. Auch LMT ist stets voreingestellt, sodass wir lediglich den Limitpreis festlegen müssen. In unserem Beispiel ist der Spielraum des Limitpreises jedoch sehr begrenzt, da wir das Limit lediglich auf 0.18 oder 0.19 setzen können. Wir probieren es natürlich mit 0.19, um einen US-Dollar mehr an Prämie zu erhalten. Auswählen können wir das Limit über dieses Dropdown Menü:

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Order übermitteln

Haben wir unser Limit angegeben, zu welchem wir bereit sind, den Put zu verkaufen, müssen wir nur noch auf Übermitteln klicken. Keine Angst vor diesem Schritt, denn wir erhalten anschließend nochmals ein Fenster mit einer Orderbestätigung, welche wir erneut bestätigen müssen.

Orderbestätigung

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Option, Limit, Prämie und Gebühren

Wie zuvor erwähnt, öffnet sich dieses Fenster inmitten unserer Startseite und fragt uns erneut, ob wir diese Order aufgeben möchten. Wir sehen hier in der oberen Zeile unsere Option und unser Limit. Unten links sehen wir die Prämie, die wir hierdurch erhalten werden. Zudem werden direkt die Gebühren aufgelistet und unsere Prämie abzüglich der Gebühren aufgezeigt. Auf der rechten Seite hingegen sehen wir die Auswirkungen auf unsere Margin in Euro.

Eigenkapital mit Beleihungswert

Diese Zahl bezeichnet unter anderem unseren Gesamtbarwert und den Wert unserer Aktien. Nach Ausführung würde ich 15€ erhalten (Umrechnung 16.5 Prämie in €) und dieser Wert würde sich nach Ausführung sofort um diese 15€ erhöhen.

Ersteinschuss

Der Ersteinschuss bezeichnet den jetzigen erforderlichen Betrag für die Sicherheitsleistung, damit die Position eröffnet werden kann. Der Wert beträgt aktuell etwas mehr als die Hälfte meines Eigenkapitals mit Beleihungswert und würde daher problemlos ausgeführt werden.

Mindesteinschuss

Der Mindesteinschuss ist jener erforderliche Betrag für die Sicherheitsleistung, welcher aufrechterhalten werden muss, bis die Position geschlossen wird. Mein Eigenkapital mit Beleihungswert darf sich also nicht dem Wert des Mindesteinschusses nähern, sonst käme es zum Margin Call und ich müsste frisches Geld überweisen oder Positionen schließen. Der Mindesteinschuss beträgt aktuell etwas weniger als die Hälfte meines Eigenkapital mit Beleihungswertes, würde jedoch nach Ausführung um 451€ ansteigen und somit fast an die 50% Grenze herankommen. Diese 50% Grenze habe ich mir selber gesetzt, um das Risiko einschätzen zu können. Klicken wir nun auf „Überschreiben und übermitteln“ wird die Order ausgeführt.

Order platziert

Order ist nun aktiv an der Optionsbörse

Schauen wir nun auf unsere Startseite, so sehen wir in dem Fenster mit unserer Aktivitätenanzeige die soeben aufgegebene Order.

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Kein Käufer für unseren Short Put

Der grüne Pfeil vor der Zeile sagt aus, dass die Order aktiv platziert ist. Wie wir allerdings sehen, gab es noch keinen passenden Käufer unserer Option, denn sonst hätte die weiße Schrift eine graue Farbe angenommen und wir könnten die Order nicht mehr verändern oder stornieren. Wir können nun die Order so stehen lassen und hoffen, dass sie im Verlauf des Handelstages noch ausgeführt wird oder aber wir passen unser Limit nach unten hin an.

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Limit neu festlegen

Wenn wir das Limit senken, erhalten wir weniger Prämie, denn der Käufer muss weniger hierfür bezahlen. Durch das Senken des Limits kommen wir also den Käufern entgegen und die Chance steigt, dass unser Short Put gekauft wird. Da der Spread nur zwischen 0.18 und 0.19 lag, werden wir unverzüglich einen Käufer finden, sobald wir das Limit auf 0.18 senken und anschließend auf aktualisieren klicken. Und dann? Dann haben wir erfolgreich einen Put verkauft.

Fazit

Kleiner Einblick in die Welt des Optionshandels

In den sechs Beiträgen zum Optionshandel habe ich Dir einen kleinen Einblick in die Welt der Optionen gegeben. Die TWS ist sehr komplex und beinhaltet noch sehr viel mehr Funktionen. Doch für den Anfänger sind alle voreingestellten Konfigurationen ausreichend und es kann sofort mit dem Verkauf von Optionen begonnen werden. Wenn Du Dich – wie ich – lediglich auf den Verkauf von Short Puts und Covered Calls beschränken möchtest, gibt Dir diese Beitragsserie einen ersten Einblick. Sofern Du die Theorie verstanden hast, gelingt Dir mit der Zeit auch die richtige Handhabung mit der TWS. Überprüfe anfangs jeden Deiner Schritte, aber habe keine Angst ein wenig auszuprobieren. Hier sehe ich es wie beim Aktienhandel: Wenn man ernsthaftes Interesse hat, sollte man einfach anfangen und learning by doing betreiben.

Wenn Dir diese Beitragsserie weitergeholfen hat und Du auch mit Optionen handeln möchtest, würde ich mich freuen, wenn Du Dein Depot bei einem der von mir vorgestellten Broker (Teil 5: Die Wahl des Brokers) eröffnest. Hier habe ich Dir zudem ein Angebot von mir für BANX vorgestellt, mit welchem Du sofort Sonderkonditionen erhältst. Du kannst also vergünstigt handeln und ich erhalte eine kleine Prämie für die Vermittlung von BANX – eine win/win Situation.

Meine Trades und Fortschritte

Meine persönlichen Trades veröffentliche ich immer in meinen Beiträgen zu den monatlichen Einnahmen, welche stets am Monatsanfang im Blog erscheinen. Unter „Optionseinnahmen“ kannst Du zudem meine Fortschritte beim Optionshandel verfolgen.

Solltest Du noch fragen haben oder Hilfe benötigen, kannst Du mir gerne einfach unter info@finanzdenken.de oder bei Instagram/finanzdenken schreiben. Viele Erfolg!

Disclaimer

Risikohinweis und Haftungsausschluss

Alle von mir veröffentlichen Informationen und Zahlen, Einschätzungen und Bilder sind von mir nach besten Wissen und Gewissen erstellt worden. Aufgrund dessen übernehme ich keine Gewähr, Garantie, Haftung oder Zusicherung für die Richtigkeit. Alle Beiträge stellen weder eine Anlageberatung noch eine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren, Optionen oder anderen Finanzinstrumenten dar. Das Investieren in Wertpapiere, Optionen oder anderen Finanzinstrumenten ist grundsätzlich mir Risiken behaftet und kann zum Totalverlust des eingesetzten Kapitals führen.