3 Jahre an der Börse: Meine größten Verluste & Learnings

Intro

Es ist nicht alles Gold was glänzt

Jeder erzählt in YouTube Videos oder in Podcasts, wie viel Geld er schon an der Börse erwirtschaftet hat. Die meisten Blogger – wie auch ich – erstellen jeden Monat einen Beitrag zu ihren Einnahmen des vergangenen Monats. Es ist menschlich, lieber von den positiven Ereignissen zu erzählen, als von den negativen. Wenn man eine große Position mit Minus schließen musste oder ein Unternehmen im eigenen Depot massiv an Wert verloren hat, sind das keine schönen Neuigkeiten, die man jedem erzählen will. Doch genau solche Fehler sind menschlich. Wenn man an diesen Stellen Transparenz zeigt, ist das in meinen Augen ein Zeichen von Größe. Aus solchen Fehlern lernt man und in Zukunft wird man diese in der Regel nicht noch mal begehen. Daher habe ich beschlossen, einen Beitrag über meine größten Fehler und Verluste zu schreiben. Um sie mir noch mal vor Augen zu führen und um auch Dir die Möglichkeit zu geben, nicht die gleichen Fehler zu begehen und somit Verluste zu vermeiden.

Die Fehler

Finanzdenken Fehler machen

Meine (typischen) Anfängerfehler

Anfang 2017 fing ich an, mich mit Aktien und ETFs zu beschäftigen. Ende 2017 habe ich mir meine erste Aktie gekauft: Allianz AG. Natürlich nur ein Einzelne, denn man wollte ja erstmal langsam anfangen. Es folgten viele weitere deutsche Unternehmen. Außerdem las man im Internet von vielen Aktien, die man unbedingt haben musste, sodass ich mir auch einige Exoten ins Depot gelegt habe. Zusätzlich habe ich was von Optionsscheinen gehört, was ich natürlich auch mal ausprobieren wollte. ETFs dürfen im Depot auch nicht fehlen und ich setze die Schwerpunkte so, um damit den Markt zu schlagen. Klingt doch alles ganz gut? Nicht wirklich, denn alles in allem habe ich viele typische Anfängerfehler begangen.

Die Anfängerfehler im Detail

Gebühren

Ich bin ein Verfechter von learning by doing, allerdings gehen hiermit oftmals auch Fehler einher. Um langsam in die Materie einzusteigen, macht es natürlich Sinn, erstmal nur mit kleinen Beträgen zu starten. Meine erste Allianz Aktie habe ich zu einem Kurs von ungefähr 185€ gekauft. Hinzu kamen die Ordergebühr von 3,90€, ein Umschreibeentgelt (Eintragung ins Namenregister) von 0,95€ und ein Börsenplatzabhängiges Entgelt von 2,50€. Das macht Ordergebühren von 7,35€ oder auch 4% auf den Aktienpreis.

Home Bias

„Was der Bauer nicht kennt, dass frisst er auch nicht“. Dieses alte deutsche Sprichwort trifft auch auf das Anlageverhalten vieler Deutscher zu. Deutsche Unternehmen sind schließlich im eigenen Land und man hört öfter mal was in den Nachrichten. Hiermit wird automatisch assoziiert, dass man diese Unternehmen besser beurteilen könnte, als beispielsweise amerikanische Unternehmen. Doch schauen wir uns hierfür beispielsweise das DAX Unternehmen BASF aus Ludwigshafen an. Wusstest Du das BASF ein führender Hersteller von Omega-3-Fettsäuren als Nahrungsergänzungsmittel ist? Ich dachte anfangs, dass dieses Unternehmen lediglich chemische Materialien für das Bauwesen etc. herstellt. Eine Coca-Cola aus den USA hingegen ist sehr transparent und ich weiß, womit ich es zu tun habe. Unter Home Bias wird also das Phänomen verstanden, wenn sich ein Anleger nur auf Unternehmen im eigenen Land konzentriert.

Heiße Tipps

Hast Du schon von der Aktie XY gehört? Die ist voll im Trend.

Hast Du schon von dem Hype um das Unternehmen YZ gehört? Die muss man haben.

Die Wörter Trend und Hype stehen oftmals auch genau für solche zeitlich befristeten Abschnitte. Ein Trend und ein Hype gehen schneller vorbei als einem lieb ist. Bekannt werden diese auch erst, wenn wirklich jeder davon spricht. Wenn es jeder weiß, ist es nur eine Frage der Zeit, bis der Trend oder der Hype wiederum vorbei ist. Als Beispiel seien hier im Jahr 2000 alle Unternehmen genannt, welche vom Internet-Hype profitieren wollten. Es stieg alles rasant an und genauso rasant fiel es auch wieder. Goldminen, Lithium, Cannabis, Elektromobilität, Wasserstoff und so weiter. Alles Hypes und Trends, welche sehr volatil sind. Die Geschäftsmodelle sind in der Regel nicht transparent und es bleibt einfach ein komisches Gefühl. Natürlich gibt es immer einige wenige Gewinner aus solchen Trends und Hypes. Allerdings weiß man nicht im Vorfeld, welches Unternehmen davon das sogenannte Einhorn ist und demnach das nächste Amazon wird. Die weitaus größere Anzahl an Unternehmen geht insolvent und man hört von diesen nie wieder etwas. Es handelt sich hierbei also eher um Spekulation oder Zockereien, wenn man auf solche Tipps hört oder auf Trends und Hypes eingeht.

Optionsscheine

Optionsscheine werden von den Banken und Brokern gerne beworben, da sie relativ einfach für kleines Geld erworben werden können. Ihre Funktionsweise ist der der Optionen sehr ähnlich, jedoch gibt es einen Unterschied: man kann nur als Käufer agieren. Und Verkäufer sind keine anderen Anleger, sondern der jeweilige Emittent. Emittent ist meistens eine Bank und daher handelt man als Kunde gegen die Bank. Gelockt werden die Anleger mit enormen Gewinnchancen, denn bei Optionsscheinen kann man mit einem Hebel arbeiten und demnach sein Gewinn in Relation zu seinem Einsatz vervielfachen. Oder aber auch den Verlust. Weitere Merkmale oder den Unterschied zu Optionen, erfährst Du unter dem Menüpunkt „Optionshandel„.

ETF-Auswahl

Ein ETF soll es dem Investor eigentlich einfacher und kostengünstiger machen, als wenn man in Fonds oder Einzelaktien investieren würde. Leider wird dieses simple Finanzinstrument immer wieder verkompliziert. Am Anfang las ich sehr viel über ETFs und wie die Zusammensetzung am besten aussehen sollte. Ob Kommer, Heller oder Buffet, jeder sagt etwas anderes. Also begann auch ich, mir passende ETFs zu suchen und ein eigenes ETF-Portfolio zusammenzustellen. Ein bisschen Europa, Asien, USA, Immobilien, Dividenden und NASDAQ. Schon hatte ich sechs ETFs, welche in meinen Augen besser performen sollten, als ein einzelner ETF bzw. der Gesamtmarkt. Aber ich war mit der Zusammensetzung sowie der Gewichtung nie ganz zufrieden und stellte ständig etwas um. Erst einige Zeit und viele Ordergebühren später habe ich bemerkt, dass ein ETF nur einmal eingerichtet und fortan einfach bespart werden sollte, sodass diese Anlage passiviert wird. Möchte man sich selber verwirklichen, so stehen einem Einzelaktien zur Verfügung. Aus diesem Grund habe ich (fast) alle ETFs wieder verkauft und fokussiere mich nur noch auf einen All-World ETF. Fertig.

Das Lehrgeld

Früher oder später zahlt jeder Lehrgeld

Obwohl ich mich in meinen Augen recht gut über die Börse, Aktien sowie ETFs informiert habe, habe ich dennoch reichlich Lehrgeld bezahlt.

Ordergebühren von insgesamt 1.300€

Seit Tag 1 tracke ich meine Investitionen und kann dies auch nur jedem empfehlen. Hierdurch wird mir zum einen der Spruch „Hin und Her macht Taschen leer“ erst wirklich bewusst und zum anderen habe ich schwarz auf weiß, wie hoch meine Ordergebühren sind. Also jeder Kauf und Verkauf von Aktien oder ETFs sowie alle Sparplanausführungen. Diese betragen nach nun fast drei Jahren an der Börse stolze 1.300€. Es ist also wichtig darauf zu achten, dass die Ordergebühren nicht zu stark ins Verhältnis fallen. Unter „Empfehlungen“ stelle ich Dir 4 verschiedene Banken vor, bei denen ich selber ein Depot habe und jeweils deren unterschiedliche Konditionen nutze. Bei der comdirect beispielsweise werden meine Aktiensparpläne ausgeführt. Bei Onvista wird mein ETF-Sparplan ausgeführt. Bei Trade Republic tätige ich Einzelkäufe und bei BANX handle ich mit Optionen.

Entgangener Gewinn von 3.552,96€

Hätte hätte Fahrradkette… was wäre wenn… ja, ich weiß – so darf man an der Börse nicht denken. Trotzdem verdeutlicht es den Börsenspruch „Gewinne laufen lassen und Verluste minimieren“. Im Februar 2018 kaufte ich 2 Amazon Aktien zu jeweils 1.159,52, d.h. für 2.319,04€. Ich verkaufte beide bei ca. 1.656,15€ und hatte einen schönen Gewinn von 993,26€ realisiert. Nun war die Frage, was ich mich dem Geld mache; Stichwort: Opportunitätskosten. Ich habe abgewartet, da ich mit einem Kursrückgang rechnete. Ein Fehler. Aussteigen und verkaufen ist immer einfach, die Schwierigkeit liegt dann im Wiedereinstieg. Ich wartete vergeblich auf einen Kursrückgang und musste letztlich zu einem höheren Kurs wieder einsteigen. Hätte ich die zwei Aktien von Amazon behalten, wären sie bis vor kurzem jeweils 2.936€ Wert gewesen. Hätte ich beispielsweise hier verkauft, hätte ich einen Gewinn von 3.552,96€ gehabt. Also das Dreieinhalbfache von dem, was ich erhalten habe. Ich wollte Gewinne sehen und war zum einen gierig und zum anderen hatte ich Angst vor einem Kursrückgang und den Buchverlusten. Daher ist es wichtig, stets rational anstatt emotional zu handeln.

Spekuliert statt investiert – 1.110€ realisierter Verlust

Vorhang auf für: Wirecard. Es war Mittwoch, der 17. Juni 2020. Ich wusste, dass Wirecard am nächsten Morgen die Hosen runter lassen musste und alle Zahlen endlich veröffentlicht werden. Aufgrund der ganzen Ungereimtheiten im Vorfeld (Verschiebung Zahlen, kein konkretes Abstreiten der Vorwürfe bzw. Widerlegung der Vorwürfe, Intransparenz) wusste ich, dass irgendwas nicht ganz stimmen konnte. Somit wurde die Investition zur Spekulation, wenn ich den morgigen Tag abwarten würde. Ich hatte insgesamt 10 Aktien zu jeweils 142€ gekauft. Am Mittwochabend lag der Aktienkurs bei 104€ und ich hatte überlegt mit Verlust auszusteigen. Doch ich habe auf eine saubere Bilanz spekuliert. Donnerstagmorgen wurden die Zahlen (natürlich mit Verspätung) veröffentlicht und der Aktienkurs fiel sofort ins Bodenlose. Ich verkaufte bei einem Aktienkurs von 86€ mit der Order „billigst/bestens“. Tatsächlich verkauft wurden meine Aktien bei einem Kurs von 42,52€. Wichtige Lektion: Auch wenn man sofort verkauft, heißt das nicht, dass auch sofort verkauft wird. Es waren halt deutlich mehr Verkäufer als Käufer auf dem Markt bzw. waren die Käufer nicht bereit mehr zu zahlen als 42,52€. Ein Verlust von ca. 1.000€.

Da aufgrund der hohen Volatilität die Prämien von Wirecard sehr hoch waren, habe ich natürlich von der Gier getrieben am 22.06.20 eine Option (5er PUT) verkauft. Hierfür erhielt ich 260€. Diese musste ich drei Tage später mit Verlust zurückkaufen und hierfür 370€ bezahlen. Ein weiterer Verlust von 110€. Alles in allem haben mich meine Spekulationen rund um Wirecard also 1.110€ gekostet. Autsch.

Heiße Tipps – Ein Minus von 1.270€

Da ich anfangs auf Börsenzeitschriften oder vermeintliche heiße Tipps aus Foren gehört habe, habe ich mir Lithium und Iridium Aktien gekauft. Ebenfalls kamen Pennystocks aus dem Pharmabereich hinzu. Ich habe mit Ausrüster von Abgasanlagen gezockt oder auch mit Cannabis und Wasserstoff Aktien. Da ich zum Glück nur mit kleineren Beträgen eingestiegen bin, konnte ich zusehen wie dieser kleine Betrag jedoch immer kleiner wurde. Der Verlust beläuft sich bei den genannten Zockereien auf rund 650€. Zusätzlich kaufte ich sogenannte Knock-Out Zertifikate auf Amazon und Paypal. Trotz dieser gut laufenden Unternehmen, schaffte ich den Totalverlust des eingesetzten Kapitals und erlitt ein Minus von 620€ aus diesen Zockereien. Die Verluste belaufen sich insgesamt also auf 1.270€.

Ich persönlich habe daraus gelernt, dass ich keine Zockereien oder Spekulationen mehr eingehe, sondern mich wieder auf das reine langfristige Investieren konzentriere. Denn ein ist klar, schnell reich werden funktioniert nicht.

Learnings

Finanzdenken Wissen

Was habe ich aus den Fehlern gelernt:

  1. Achte auf die Gebühren. Das Konto, das Depot und alles drum herum sollten kostenfrei sein. Die Ordergebühren beim Kauf und Verkauf sollten nicht zu hoch sein. Hier gilt die Faustformel, dass bei einer Order die Ordergebühren nicht höher als 1% sein sollten. Bei vielen deutschen Aktien fällt bei jedem erneuten Kauf ein Umschreibeentgelt an. Daher bieten sich deutsche Werte beispielsweise auch in der Regel nicht für Aktiensparpläne an. Das Börsenplatzierte Entgelt fällt bei der Ausführung an deutschen Börsen wie beispielsweise Frankfurt oder München an. Diese kann man umgehen, indem man über LiveTrading bei z.B. Lang & Schwarz kauft/verkauft.
  2. Sei offen für alle Länder und alle Branchen. Versteife Dich nicht zu sehr auf Produkte oder Unternehmen die Du persönlich kennst oder die Dir vertraut erscheinen. Andere Länder haben deutlich profitablere Unternehmen und unter dem Aspekt der Diversifikation macht es ebenfalls Sinn, seine Investitionen zu streuen.
  3. Höre nicht auf Tipps aus Foren, Facebook-Gruppen, von Bekannten oder einem Newsletter. Keiner hat eine Glaskugel. Meistens sind solche Tipps, Trends und Hypes am Höhepunkt, wenn Du hiervon erfährst. Investiere nur in Unternehmen, deren Geschäftsmodell du verstehst.
  4. Konzentriere Dich auf Aktien und/oder ETFs. Im Bereich der Unternehmensbeteiligungen reicht das in der Regel vollkommen aus. Derivate, CFD´s, Optionsscheine, Zertifikate und und und sind oftmals nur Produkte der Banken. Die Bank gewinnt am Ende sprichwörtlich immer.
  5. Abschließend kann ich nur sagen, dass Du Dich mit Deinen Investitionen wohl fühlen musst. Dies geschieht oftmals nur, wenn etwas einfach und transparent ist. Ein diversifizierter ETF reicht vollkommen als Investition aus. Wer mehr will, kann in Richtung Einzelaktien bzw. dem Optionshandel für Einzelaktien schauen. Handle an der Börse nicht emotional, sondern stets rational.

Fazit

Zusammenfassend…

… kann man sagen, dass es viele Börsenweisheiten gibt und jede ihre Daseinsberechtigung hat. Auch wenn man viele von ihnen kennt oder eigentlich weiß, wie man sich zu verhalten hat, macht man es oftmals einfach nicht. Dies ist in der Regel immer der Fall, wenn Emotionen ins Spiel kommen. Die Entscheidungen werden nicht mehr rational getroffen und das zieht meistens Konsequenzen in Form von Gebühren, Kosten oder Verlusten mit sich. Wichtig ist in diesem Fall, dass man versteht, wieso dieser negative Fall nun eingetreten ist. Somit bleibt es zwar immer noch bei einem finanziell negativen Ausgang, doch hat man aus diesem gelernt und wird zukünftig hoffentlich anders handeln.

Ich für meinen Teil habe aus den Fehlern gelernt, dass ich mental besser damit fahre, auf solide und beständige Unternehmen zu setzen und eine langfristige Strategie fahren möchte. Hieraus ist die Dividendenstrategie entstanden, mit der ich sehr zufrieden bin. Solange man seine eigenen Lehren aus dem falschen Handeln zieht und langfristig das Positive sieht, kann alles nur besser werden. Also nicht lange ärgern, sondern daraus lernen und weitermachen!

Disclaimer

Risikohinweis und Haftungsausschluss – unbezahlte Werbung

Der Autor ist an manchen der genannten Unternehmen beteiligt (Transparenzhinweis). Alle von mir veröffentlichen Informationen und Zahlen, Einschätzungen und Bilder sind von mir nach besten Wissen und Gewissen erstellt worden. Aufgrund dessen übernehme ich keine Gewähr, Garantie, Haftung oder Zusicherung für die Richtigkeit. Alle Beiträge stellen weder eine Anlageberatung noch eine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren, Optionen oder anderen Finanzinstrumenten dar. Das Investieren in Wertpapiere, Optionen oder anderen Finanzinstrumenten ist grundsätzlich mit Risiken behaftet und kann zum Totalverlust des eingesetzten Kapitals führen.