So gelingt der Einstieg in den Aktienmarkt

Intro

Deutschland ist und bleibt ein Land mit der Angst vor Aktien

Im Jahr 2019 besitzen rund 10 Millionen Menschen in Deutschland Aktien. Somit liegt die Aktionärsquote laut Deutschem Aktieninstitut (DAI) bei etwa 12,5%. International liegt Deutschland damit im unteren Bereich. Die Niederlande, Japan, USA, GB, Schweiz oder Schweden haben alle Aktionärsquoten von über 20%Obwohl es seit März 2016 so gut wie keine Zinsen mehr auf erspartes Geld auf dem Tagesgeldkonto gibt, halten viele Deutsche an dieser Anlageart fest.

Laut Statista nutzen 40% der Deutschen als Geldanlageform das Sparen auf dem Girokonto. Anders ausgedrückt: knapp die Hälfte der Deutschen macht mit ihrem Geld nichts! Inflation und bankenspezifische Gebühren (z.B. Kontoführungsgebühren) lassen an dieser Stelle das eigene Geld langsam und stetig weniger werden. Es folgen Sparbuch/Spareinlagen mit 37%, Renten- und Kapitallebensversicherungen mit 28%, Bausparvertrag mit 27%, Immobilien mit 25%, und das Tagesgeldkonto mit 22%. Erst auf Platz 9 folgen Aktien mit 16%.

Trendwende?

Zahlreiche Depoteröffnungen während Corona-Pandemie

Im März und April 2020 gab es an der Börse aufgrund von Corona einen heftigen Einbruch der Aktienkurse. In mehreren Beiträgen habe ich hierüber berichtet und auch hinterfragt, ob ich im Corona-Crash richtig „gehandelt“ habe. Das eigene Verhalten in Bezug auf den Geldumgang habe aber nicht nur ich kritisch hinterfragt, sondern auch viele andere Menschen weltweit. Im Jahr 2020 wurden zahlreiche Depots eröffnet und die Aktienanlage wurde regelrecht neu entdeckt. ARD berichtet von einem Börsenboom bei Banken. So hat die ING einen richtigen Ansturm von Depotneukunden gehabt. Alleine im März 2020 eröffneten hier 70.000 Anleger ein Depot, was eine 7-fache Steigerung zum Vorjahr bedeutet. Aber auch die comdirect berichtet von dem größten Ansturm seit 2000. In den ersten fünf Monaten in 2020 wurden 177.000 Neukunden für Wertpapierdepots angelockt. Die Consorsbank und die DKB berichten ebenfalls von enormen Zuwächsen und reden von einer Verfünffachung der Depotneueröffnungen.

Boom bei ETF-Sparplänen

Viele Börsenneulinge sind anfangs überfordert und finden keinen richtigen Einstieg in die Aktienwelt. So wurde ich privat angesprochen und habe ich viele Nachrichten – vor allem auf Instagram/Finanzdenken – erhalten, in denen ich nach dem richtigen Einstieg gefragt wurde. An dieser Stelle habe ich oftmals auf meinen „Investitionsleitfaden“ verwiesen und explizit auf den Punkt „Investieren„. Hier berichte ich in erster Linie von einem ETF-Sparplan und nenne mögliche Beispiele. In meinen Augen sollten alle Investitionen auf einem soliden Fundament stehen, bei dem Chance/Risiko in einem angemessenem Verhältnis zueinander stehen. Ein gut diversifizierter (breit gestreuter) ETF verringert demnach das Risiko und bildet eine gute Grundlage für den Kapitalaufbau.

Viele Börsenneulinge haben die Vorteile von ETFs erkannt und daher stieg die Zahl der neu eröffneten ETF-Sparpläne (Februar – Mai 2020) allein bei den Direktbanken laut ARD um 313.000 auf 1,7 Millionen an. Leider wird keine Auskunft darüber gegeben, welche einzelnen ETFs ausgewählt werden. Denn ETF ist nicht gleich ETF.

Welt-Portfolio

Kurz und knapp: was ist ein ETF?

Alle wichtigen Informationen zu ETFs und der ETF-Auswahl habe ich bereits hier erläutert. Noch mal das Wichtigste in Kürze: ETF steht für Exchange Traded Fund und ist eine maschinelle Abbildungen eines Index. Diese sogenannten Indexfonds werden nicht aktiv von einem Fondsmanagement geleitet, sondern werden maschinell erstellt und kopieren einen Index /Benchmark, wie beispielsweise den DAX, Dow Jones, Nikkei oder NASDAQ. Man erhält demnach nur diejenige Rendite, die der Marktdurchschnitt erwirtschaftet. Der Autor Jeremy J. Siegel hat in einer langjährigen Untersuchung herausgefunden, dass mit einem breit diversifiziertem Aktiendepot im Zeitraum von 1802 bis 2012 eine Realrendite von jährlich 6,6% erwirtschaftet werden konnte. Realrendite bedeutet abzüglich der Inflation.

Zuvor habe ich aufgezählt, dass die überwiegende Mehrheit der Deutschen ihr Geld auf dem Girokonto, Tagesgeldkonto etc. „anlegt“. Dort liegt es bei 0% Verzinsung und wird zusätzlich durch die angestrebte Inflation von 2% Jahr für Jahr weniger Wert. Ein diversifizierter ETF bietet bei einer längeren Anlagedauer im Durchschnitt 6,6% Rendite. Diese Tatsache erkennen mittlerweile in Deutschland immer mehr Menschen und eignen sich ein Finanzdenken an.

Diversifikation ist der Schlüssel

Diversifikation beschreibt vereinfacht gesagt eine Vielfalt von Instrumenten. In Bezug auf einen ETF sind hierbei unter anderem die Anzahl an Positionen sowie die Vielfalt an unterschiedlichen Kontinenten, Ländern, Regionen und Branchen gemeint. Je vielfältiger die einzelnen Positionen innerhalb des ETFs, desto diversifizierter ist dieser.

Viele Einsteiger suchen nach der eierlegenden Wollmilchsau und das eine perfekte Portfolio. Doch genauso wie jede Person individuelle Eigenschaften und Vorstellungen hat, ist auch die eigene Finanzsituation sehr individuell. Manche wollen mehr Risiko und manche benötigen die Sicherheit. Die einen sehen in China und Indien die Zukunft und die anderen wollen lieber nur in ihrem Heimatland investiert sein (Achtung: Home Bias und weitere Lektionen zur Börse). In einem Punkt sind sich jedoch die meisten Anleger einig: das Chance/Risiko-Profil sollte stimmen, wobei das Risiko – wenn möglich – gering gehalten werden sollte. Hier sind wir wieder bei dem Stichwort der Diversifikation. Aus diesem Grund wird beim Investieren in ETFs oftmals ein Welt-Portfolio genannt. Wenn man theoretisch in die gesamte Weltwirtschaft investieren kann, ist man logischerweise bestmöglich diversifiziert.

Der Investmentbanker und Autor Dr. Gerd Kommer hat hierzu ein sehr beliebtes Buch veröffentlicht, welches als Anleitung für die Portfolio-Erstellung dienen kann. Über das Buch habe ich bereits einen eigenen Beitrag geschrieben und Du kannst dies hier nachlesen.

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Diversifikation hat den Vorteil, dass das Risiko auf viele verschiedene und vielfältige Positionen verteilt wird. Bildlich kann man sich die Diversifikation wie ein Tisch mit seinen Tischbeinen vorstellen. Eine Einzelaktie ist allein vom Aspekt des Risikos her, sehr risikoreich. Ein ETF auf den DAX30 hat 30 unterschiedliche Positionen und bietet daher schon mehr Sicherheit als eine einzelne Aktie. Der Tisch steht quasi auf 30 Beinen. Der FTSE All-World ETF von Vanguard hat mitunter die meisten Positionen (3.460) in nur einem ETF und bietet daher eine großartige Diversifikation. Hier könnten theoretisch hunderte von Aktien schlecht laufen (Tischbeine weg brechen) und dies würde deutlich weniger Auswirkungen haben, da noch viele weitere hundert Unternehmen in dem ETF enthalten sind (Tischbeine den Tisch stabilisieren).

1 ETF-Lösung

1 ETF für alles?

Ich habe zuvor geschildert, wieso ein Welt-Portfolio Sinn macht und welche Vorteile es hat. Wirtschaftlich betrachtet unterteilt sich die Welt unter anderem in Industrieländer (World) und Schwellenländer (Emerging Markets). Unter den tausenden von Indizes, gibt es aktuell nur zwei, welche die Industrieländer und Schwellenländer in sich vereinen: All Country World Index und All-World Index. Den ACWI bietet unter anderem BlackRock an und der All-World wurde von Vanguard aufgesetzt. Einen direkten Vergleich beider ETFs habe ich Dir hier über JustETF erstellt.

Aufgrund der Performance, der Größe des ETFs und der geringeren Kosten, sehe ich persönlich den Vanguard FTSE All-World UCITS ETF im direkten Vergleich weiter vorne. (An dieser Stelle den Transparenzhinweis, dass ich diesen ETF persönlich ebenfalls bespare). Dieser bietet Zugang zu Aktien aus 24 Industrie- und 23 Schwellenländern und deckt 95% des weltweiten Aktienmarkts ab. Hierbei ist jedoch zu beachten, dass die USA mit 56% gewichtet sind und die Schwellenländer lediglich mit etwa 10-12%. Dies kann als Vorteil oder als Nachteil gesehen werden, je nach eigener Präferenz. Da in den vergangenen Jahrzehnten von den USA ein wiederholt starkes Wachstum ausging, war es zumindest in der Vergangenheit sehr profitabel, die USA zu übergewichten.

2 ETF-Lösung

Oder doch lieber 2 ETFs?

Eine weitere Variante ist die Kombination aus einem World ETF und einen Emerging Markets ETF. Bei der Wahl von 2 ETFs hat man den Vorteil, dass man selber über die jeweilige Gewichtung entscheiden kann. Glaubt man zukünftig an ein höheres Wachstum der Schwellenländer, so kann dieser ETF nun höher gewichtet werden. Eine beliebte Gewichtung ist im Verhältnis 70 zu 30. 70% machen hierbei die Industrieländer und 30% die Schwellenländer aus.

Einer der größten World ETFs ist der von iShares: iShares Core MSCI World UCITS ETF. In diesem sind stolze 23.000 Millionen € investiert und er enthält 1.600 einzelne Positionen.

Einer der größten Emerging Markets ETFs ist ebenfalls von iShares: iShares Core MSCI Emerging Markets IMI UCITS ETF (Acc). 14.000 Millionen € sind bereits investiert und 2.850 Positionen darin enthalten.

Erwähnenswert ist noch, dass die angesprochene Auswahl an ETFs natürlich nicht abschließend ist und keine eigene Recherche ersetzen kann. Der Blick auf das bereits investierte Kapital ist allerdings ein guter Indikator für die Beliebtheit eines ETFs. Viele ETFs gibt es zudem in der thesaurierenden (reinvestierend) oder ausschüttenden Variante.

Fazit

Zusammenfassend…

… kann man sagen, dass es wichtig ist, sich um sein Geld zu kümmern und darüber nachzudenken. Das Nichtstun wird gnadenlos mit der Geldentwertung durch die Inflation bestraft. Der Einstieg in Welt der Aktien ist heutzutage mithilfe eines ETFs sehr leicht gegeben. Wie ein Sparplan eingerichtet wird, haben ich anhand eines Beispiels der comdirect bereits in diesem Beitrag beschrieben und ist ebenfalls leicht umgesetzt. Als Fundament oder auch alleiniges Investment ist ein ETF hervorragend geeignet, um von der gesamten Weltwirtschaft zu profitieren. Ob dies nun mit einem oder zwei ETFs umgesetzt wird, spielt eher eine untergeordnete Rolle. Am wichtigsten ist hierbei, einfach anzufangen. Wenn Du noch auf der Suche nach einer passenden Bank bist, kann ich Dir die comdirect empfehlen. Dort sind hunderte von ETFs sparplanfähig und der Service ist für eventuelle Rückfragen sehr gut geschult.

 (*Affiliate-Link)

Neben einer Investition in ETFs können natürlich noch einzelne Aktien gekauft oder bespart werden. Da hier das Risiko allerdings deutlich höher ist und sogar ein Totalverlust entstehen kann, sind hier tiefere Recherchen und eine zugehörige passende Strategie empfehlenswert oder gar notwendig. Ich persönlich setze neben dem ETF-Sparplan beispielsweise auch auf Aktiensparpläne und habe hier ausführlicher darüber geschrieben.

Viel Erfolg und Glückwunsch zu Deinem Einstieg in die Welt der Aktien :-)

Disclaimer

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